|
Orte: Rannersdorf und Stammersdorf in Niederösterreich; Mariazell in der Steiermark; Wien; Brünn (Brno) und Königgrätz (Hradec Králové) in Böhmen; Fröllersdorf (Frélichov, Jevišovka) in M; ähren u.a. Quellentypen: Korrespondenz (geschäftliche Korrespondenz, Freundschaftskorrespondenz): 47 Schreiben; 86 amtliche Dokumente; 60 Dokumente zur Berufslaufbahn u.a. 1 "Wehrpaß"; 19 autobiografische Aufzeichnungen (z.T. in Kopie); 25 Fotografien; Weiteres: 5 Zeitungsausschnitte Zum Bestand: Schreiberin: Maria H. (geb. M.); geb. 1883 in Rannersdorf in Nierderösterreich, gest. 1932 in Stammersdorf in Niederösterreich
Schreiber: Josef Karl M.; 1844-1908, geb. und gest. in Rannersdorf in Niederösterreich
Schreiber: Johann H.; geb. 1879 in Fröllersdorf (Jevišovka) in M ähren, gest. 1959 in Wien
Übergeberin: Elisabeth R.-H. (Enkelin von Maria H.), 2002-2010
Maria H. (geb. M., 1883-1932) ist in Rannersdorf in Niederösterreich aufgewachsen. Ihre Eltern waren die Weberstochter Franziska M. (geb. Rath, 1846-1903) und der Strohhändlersohn und k.k. Korporal Josef Karl M. (1844-1908).
Franziska und Josef Karl M. hatten 1846 in Neukettenhof bei Schwechat geheiratet. Von ihm sind autobiografische Aufzeichnungen im Umfang von 32 Seiten (in Kopie) erhalten. Darin berichtet Josef Karl M. von seiner Militärzeit, in der er als Korporal u.a. an der Schlacht bei Königgrätz (Hradec Králové) in Böhmen 1866 teilgenommen hat. Beschrieben werden darin Truppenbewegungen und Schlachten im Preußisch-Österreichischen Krieg, daneben hat Josef Karl M. auch seine Eindrücke von der Geographie und den Menschen in den ihm fremden Gebieten festgehalten. So ist der Weg nach Brünn (Brno) folgendermaßen beschrieben: „Merkwürdig sind die Hanaken mit ihren rothen engen Hosen und weiten Hemden die Einwohner von den Dörfern wo wir Einquatiert waren sind gute Leite und Reindlich in ihren Wihrtschaften die Gegend ist gebirgig jedoch angenehm der boden ist fleisig bearbeitet sodas führ ihren bedarf hinlänglich ausreicht“.
Maria H., die Tochter von Josef Karl und Franziska M., heiratete 1909 Johann H. (1879-1959). Er war in Fröllersdorf im damaligen Mähren aufgewachsen, arbeitete als Brauer und später als Polizeibeamter. Ihre Kinder waren Hans (Johann) H. (1908-1976) und Magdalena W. (geb. Hallatwitsch, 1910-1989). Hans H. war Privatangestellter.
Im Nachlass von Maria H. befinden sich 86 amtliche Dokumente, u.a. 1 amtliche „Bescheinigung für den Reichsgrenzverkehr“ aus März 1921 und 1 notarielle Bestätigung und Rechnung betreffend die Übertragung eines Hausanteiles ihres Schwagers auf Maria und Johann H. aus September 1924. Von Johann H. ist eine Sammlung von 68 amtlichen Dokumenten von Vorfahr:innen erhalten, die er im Rahmen der Erstellung des sogenannten „Ahnennachweises“ zusammengetragen hat, darunter Geburts-, Trauungs- und Sterbeurkunden. Von ihm selbst liegt u.a. ein Passierschein aus August 1945 vor.
Die Dienstzeiten von Johann H. als Sicherheitswachmann und Polizeibeamter sind anhand von 59 Dienstzeugnissen, Gehaltsabrechnungen und Pensionsansuchen dokumentiert, des Weiteren hat er seinen „Wehrpaß“ mit Einträgen von 1940 bis 1942 aufbewahrt.
Die amtlichen Dokumente sind gesammelt in einer Papiermappe mit der Aufschrift „Kühlschrank“, auf deren Innenseite der Vermerk „letzte Rate am 3.V.58 gezahlt. Der Kühlschrank gehört uns“ geschrieben ist.
Aus der Beschäftigung von Johann H. mit geschichtlichen Themen wurden 6 Texte mit historischen und (auto-)biographischen Beschreibungen übergeben, die er teilweise auch veröffentlicht hat. Neben Aufzeichnungen und Berichten aus seinem Arbeitsalltag als Polizist ist das u.a. ein maschinengeschriebenes Manuskript zur Geschichte seines Heimatortes Fröllersdorf. Der Text „Die Zeit nach dem ersten Weltkrieg“ hat antisemitische und geschichtsrevisionistische Sujets.
Auch ein Großteil der insgesamt 51 im Nachlass enthaltenen Korrespondenzstücke hat die historische Forschungstätigkeit von Johann H. zum Thema, unter den 46 Schreiben von 1944 bis 1959 befindet sich u.a. die Abschrift eines Briefes an den Bundespräsidenten Dr. Karl Renner aus Juni 1948.
Die 25 Fotografien aus dem Zeitraum von 1891 bis 1923 sind insbesondere Aufnahmen aus der Gegend von Fröllersdorf, darunter mit Personen in Tracht, mit Kopftuch und bei landwirtschaftlicher Arbeit. Ein (nicht datiertes) Bild zeigt eine Musterung, eines eine Gruppe von Soldaten und Kriegskrankenschwestern im k.k. Elisabethspital in Wien im Ersten Weltkrieg. Die zwei Gruppenbilder zeigen die Schulklasse von Johann H. im Jahr 1891 sowie die Floridsdorfer Kriminalbeamten im Mai 1923.
An Weiterem sind Ausschnitte der Zeitschrift „Das kleine Volksblatt“ und der „Wegwarte“ aus 1955 bis 1959 erhalten sowie 1 Bericht der „Floridsdorfer Bezirkszeitung“ aus 1987 über die Floridsdorfer Brauerei, in der Johann H. beschäftigt gewesen war. |