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Einrichtung: Archiv der deutschen Frauenbewegung | Kassel
In: Sammlung: Sammlung K. v. Soden
Bestell-Signatur: ST-49 ; 2-14
Jahr: 1992
Sprache: Deutsch
Beschreibung:
Kristine von Soden interviewte 1992/93 Frau Ingrid S. zu deren Bildungs- und Berufsweg. Frau S. stammte aus einer Kaufmannsfamilie und machte 1938 Abitur, ihre Schulleiterin war Hanna Beckmann. Anschließend musste sie ein Arbeitspflichtjahr absolvieren, danach besuchte sie zunächst die Gronesche Handelsschule in Hamburg, bevor sie 1941 ihr Studium der Volkswirtschaft begann. Ihr Vater unterstützte sie finanziell nicht, so dass sie vormittags arbeiten gehen musste und nachmittags zu Vorlesungen ging, bis sie ein Stipendium erhielt. In Frau S.s Fakultät gab es neben ihr nur fünf weitere Frauen. Manche Dozenten machten sexistische Kommentare, die Kommilitonen weniger. Sie erinnerte sich, dass sie und ihre Kommilitonen gerne in Cafés gingen, was aber sehr teuer war, und viel feierten. Außerdem siezten sie sich untereinander, um sich von dem üblichen Duzen der Nazis abzuheben. Sie habe sich auch geschminkt, um sich vom Frauenideal der Nazis abzugrenzen. Frau S. erzählte, dass sie jüdische Kommilitonen und Dozenten hatte, die untertauchten oder auswanderten und nach Ende des Krieges zurückkehrten. Sie legte ihr Examen 1944 ab und lernte dafür hauptsächlich im Luftschutzkeller, 1945 war sie Assistentin an der Universität. Während des Krieges, so Frau L., hätten sie und andere Frauen davon profitiert, dass die Männer im Krieg waren, da sie so Stellen an der Universität erhielten. Nach dem Krieg kamen die Männer zurück und die Arbeitsverträge der Frauen wurden nicht verlängert. Sie fand schließlich trotzdem eine gute Arbeitsstelle und war später Mitglied in mehreren Frauenvereinen, wie etwa dem Deutscher Akademikerinnenbund. Frau S. erzählte auch von ihrem Vater, der als 16-jähriger Unterschriften für seine verwitwete Mutter leisten musste, weil die nicht rechtsmündig war, was in ihm früh das Interesse an Frauenrechten geweckt habe. Außerdem habe er Emmy Beckmann stets hervorgehoben.
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