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Orte: Aabenraa/Loddenhoj (Loddenhøj) in Dänemark; Oberstetten und Bad Reichenhall in Deutschland; Karlsbad (Karlovy Vary) und Prag (Praha) in der Tschechoslowakei; unbestimmbare Orte an der Ostfront/Kriegsschauplätze im 2. Weltkrieg Quellentypen: Korrespondenz (Feldpost aus dem 2. Weltkrieg, Freundinnenkorrespondenz, Korrespondenz aus der Emigration u.a.): 11 Schreiben; 2 Fotografien Zum Bestand: Adressatin: Grete S.; persönliche Daten unbekannt
Übergeberin: Ing.in Friederike W. (Verwandte von Grete S.), 2002
Von Grete S. sind einzelne lose Korrespondenzstücke erhalten. Sie war Oberbuchhalterin in Linz-Urfahr. Die von verschiedenen Absender:innen an sie adressierten Schreiben geben jeweils Eindrücke von politischen erzwungen veränderten Lebenssituationen im 20. Jahrhundert:
Das früheste Poststück hat der Kaufmann Emil H. aus Prag (Praha) am 19. August 1923 an Grete S. adressiert. Es ist mit Maschine auf dem Geschäftspapier seiner Kaffeerösterei verfasst. Der Absender unterschreibt sich hier mit „Ihr Kriegsfreund“, berichtet von der Familie, der kleinen Tochter, dem Betrieb und den Lebensmittelpreisen: "Im betreffs unserer Lebensverhältnisse ist hier alles gut, stabiliert und im Gegenteil wird alles billiger. (…) Bei uns lebt man entsprechend gut, alles ist zu haben, aber die Aussenpolitik arbeitet sehr Feindsehlig". Dem Schreiben beigelegt sind zwei Fotografien des Schreibers jeweils in Gesellschaft von Familienangehörigen.
Aus dem Briefverkehr mit Walter M. von der Front im Zweiten Weltkrieg sind drei Feldpostbriefe von Mai 1942 bis Juni 1944 erhalten, die der "Obgfr." von der Ostfront "ostwärts der Rollbahn Petersburg-Moskau am Ring um L" an Grete S. geschrieben hat. Die beiden dürften sich aus Kontexten der Katholischen Kirche gekannt haben. Die Anrede ist „Grüß Gott“ und das "Gute Frl. Grete" wird in den Briefen per-Sie angesprochen. Der Schreiber bedankt sich dabei für die offenbar regelmäßigen Paketsendungen und schildert u.a. seine Weihnachtsfeier und die Christmette von 1942 an der Front.
Aus dem Briefverkehr mit Julie D. (D.) sind fünf Briefe von Februar bis November 1946 erhalten. Die Frauen dürften vermutlich verwandt gewesen sein. Die zensurierten Schreiben dokumentieren die Situation der Ausweisung der deutschsprachigen Familie aus Schlesien, die Julie D. selbst als "Sudetendeutsche" bezeichnet. Im frühesten Brief aus Karlsbad (Karlovy Vary) berichtet sie vom Verlust ihrer aktuellen Wohnmöglichkeit: "wir haußen jetzt in der Kammer und kochen tun wir bei einer Frau die auch nur ein Zimmer hat. Ja meine Lieben es ist sehr traurig was wir mitmachen und sich gefallen lassen müssen. (…) Die Nerven halten es bald nicht mehr aus." Über jene Personen, die ihr Eigentum übernommen haben, schrieb sie folgendes: "Das Glück werden sie ja keines haben, weil jeder in seinem Besitz einen Fluch hinterlassen hat." Ab August 1946 lebte die Schreiberin mit ihrer Familie im Exil in Oberstetten/Bad Reichenhall in Deutschland, von wo aus zwei der Schreiben abgeschickt worden sind.
Eine weitere Postkarte von Julie D. von September 1946 ist an Grete S.s Schwester Maria L. (geb. S.) adressiert. Auch hier wird die verzweifelte Situation angesprochen: "Ja liebe Mizzi uns hat es sehr schwer betroffen, von der Heimat vertrieben, wo wir doch nicht’s dafür konnten. Nun es ist nicht alle Tage Nacht, vielleicht scheint doch noch mal die Sonne."
An Maria L. ist schließlich auch eine Postkarte gerichtet, die Margarete S. im Mai 1946 aus dem "Flüchtlingslager Loddenhoj" (Loddenhøj) in Dänemark an sie adressiert hat, in dem sich zu der Zeit nach ihren Angaben 1.200 Personen aufgehalten haben: "Seit 28.3.45 bin ich von Gotenhafen (24/3) unter Beschuß der russ. Artillerie und der Stalinorgel kommend hier. Von meinen Geschwistern weiß ich endlich seit vorgestern etwas aus Berlin-Neucölln. Else meint, ich werde sie knapp – wenn wir uns noch mal sehen sollten – wieder erkennen." |